„Wie gehe ich mit Modellen um?“

Diese Frage hat sich bestimmt schon jeder der mit lebenden Modellen fotografieren möchte gestellt. Die Frage liegt ja auch nahe, denn schließlich sind wir es gewohnt mit Menschen zu sprechen und zu kommunizieren.

Und da weiß jeder aus eigener Erfahrung, wie schwierig das sein kann. Nicht immer ist das was ich meine, das was ich sage, und schon gar nicht das was der andere versteht 🙂 Was im privaten schon zu Irritationen führen kann, bedeutet beim Fotografieren dann eventuell einen verlorenen Tag und versenktes Geld für´s Modelhonorar. Dazu kommt dann noch der Frust, gescheitert zu sein.

Muß aber nicht sein, wenn man sich ein paar einfache Regeln vor Augen führt.

  1. Ich hab einen Menschen vor mir stehen. Klingt komisch, aber manche Fotografen habe ich dabei erwischt, wie sie ein Model eher wie einen Gegenstand behandelt haben. Das ist für die Stimmung ein absoluter Killer! Modelle wissen ja nicht was in unseren Köpfen vorgeht und wo wir mit unseren Bildern hin wollen. Sie dann noch wie einen Gegenstand zu behandeln, führt direkt in eine Sackgasse.
  2. Das führt uns ganz automatisch zu Punkt 2. Modelle freuen sich, wenn wir as Fotografen mit Ihnen respektvoll umgehen, sie wie einen ganz normalen Menschen behandeln und sie einbeziehen in das was uns vorschwebt für das Bild das wir erreichen wollen. Also redet mit dem Model! Ich muß nicht jedes Bild gelich dem Model zeigen, aber wenn ich alleine schon verbales Feedback gebe ist das für´s Model eine gute Stütze dabei abzuschätzen, ob es seinen Job gut macht.
  3. Bleibt respektvoll! Hatte ich das nicht eben schon erwähnt? Ich mache kein Model dumm an, wenn ich möchte, das gute Bilder rumkommen. Geht nicht. Schafft eine positive Atmosphäre, wo sich das Model wohlfühlt und sich „fallen lassen“ kann. Vertrauen in das Können ist mindestens ebenso wichtig wie das Vertrauen in den Menschen. Wenn ich als Model ständig befürchten muß, das ich gleich schief angeguckt, angemacht oder angefaßt werde, dann kann ich mich nicht entspannen und locker bleiben.
  4. Anfassen. Geht nur, wenn ich das mit dem Model vorher geklärt, sprich gefragt habe! Niemand wird von einem „Fremden“ einfach so angefaßt und freut sich dann darüber. Auch hier gilt, Respekt! Klar gibt es Situationen bei einem Shooting, wo die Hand des Fotografen gefragt ist, aber bitte, Bitte!, sprecht mit dem Model vorher drüber 🙂 Ich hab noch kein Shooting erlebt, bei dem ein Model dem nicht zugestimmt hätte, wenn da irgendwo eine Haarsträhne schief hängt und ich frage, ob ich das mal eben gerade rücken könnte. Oder wenn eine Bluse schief sitzt und ich sie gerade rücke. Geht alles, wenn man das vorher anspricht.
  5. Sitzt die Bluse eigentlich Rechts oder Links schief? Tja, kommt drauf an wo man steht! Ich hab mir angewöhnt mit dem Model seitenverkehrt, zu sprechen. Dauert einen kleinen Moment, bis man das verinnerlicht hat, aber es macht mir das Arbeiten wesentlich leichter. Die meisten Menschen denken rechts/links selbstverständlich auf ihren eigenen Körper bezogen und so führt es schnell zur Verwirrung, wenn man von Fotografensicht aus r/l verwendet. Da ich aber möchte, das das Model möglichst wenig irritiert ist, um sich auf das Posen zu konzentrieren, mach ich mir die Arbeit umzudenken.
  6. Nicht zuletzt, aber als letzter Punkt, ich zeige den Modellen immer wieder zwischendurch die Bilder die gemacht worden sind. Das ist meistens, nachdem ich ein betimmtes Motiv schon eine Weile fotografiert hab. Das liegt aber sicher bei jedem individuell. So jedenfalls hole ich das Model immer wieder ins Boot und gemeinsam arbeiten wir uns dann an die finale Bildidee heran.
  7. Das Wichtigste für mich kommt aber zum Schluß. Bevor ich überhaupt ein Shooting mit Model plane, mache ich mir Gedanken über die Bilder die ich shooten möchte. Ich weiß also schon vorher was hinten rauskommen soll. Das war früher auch anders, aber ich habe gelernt, wenn ich weiß wohin die Reise geht, dann ist das gesamte Shooting viel einfacher. Das Model kann sich vorher schon drauf einstellen, die Kommunikation vor Ort ist zielgerichtet und die Bilder werden insgesamt einfacher realisiert.

Im Grunde sind alle diese Punkte selbstverständich, wenn man drüber nachdenkt, aber im Eifer eines Shootings kann man das schnell vergessen. Daher beim Shooting zwischendurch mal kurz innehalten und Luft holen, damit man sich wieder daran erinnern kann.

Dann klappt es auch mit schönen Bildern!